Diesen Brief hat mir ein Armutsbetroffener übergeben, der sich bei den Mitarbeitenden für die Hilfe der Einrichtung bedanken wollte. Die anonymisierten Stellen sind sein Vor- und Zuname, der Name der Einrichtung und Ortsangaben.

Einerseits ist jede Aufmerksamkeit und Freundlichkeit etwas Schönes, denn davon leben die Ehrenamtlichen irgendwo, schließlich wird die Hilfe nicht mit Geld bezahlt. Andererseits bin ich nicht so ein Dankbarkeitsmensch, sondern sage den Bedürftigen immer: Nichts zu Danken! Gerne geschehen! Greift zu! Nehmt euch das, was ihr haben könnt. Nehmt doch einfach mal die Hilfe so wie sie angeboten wird. Damit meine ich keine Essensschlacht oder Hamsterei, im Sinne von eine ganze Tasche mit Brötchen vollpacken und wegtragen, sondern nur so viel wie jemand für sich braucht, also einfach dass die Leute nicht immer so bescheiden sein sollen. Es gibt zwar diese Hamsterer, Schnorrer und Gierlappen, aber eben auch viele Leute, die viiiel zu bescheiden sind, immer denken, sie brauchen dies und das nicht wirklich, so notwendig ist es nicht, sie wollen niemandem etwas wegnehmen, und denen es wahrscheinlich immer wieder peinlich ist, Hilfe anzunehmen. Als Helferin muss man also einige Leute stoppen und anderen gut zureden, um sie zu ermuntern. Wenn ich schreibe, die Ehrenamtlichen freuen sich über jede Ankerkennung, über jedes Lächeln, Freundlichkeit, dann meine ich damit nicht dieses ewige Danke-Sagen oder eine erniedrigende Dankbarkeit. Meiner Meinung und Erfahrung nach ist es nämlich ein schönes Gefühl, Menschen helfen zu dürfen und zu können, zu sehen wie man jemandem etwas Gutes tut. Es ist wirklich eine Freude und etwas Anrührendes, wenn mir ein Obdachloser ein zahnloses Lächeln schenkt. Dann freue ich mich, dass er sich freut und meine Laune ist gleich besser geworden. Was ich sagen will: Die Ehrenamtlichen sind nicht einfach nur selbstlos, Engel oder Helden. Nein, wenn man anderen Menschen hilft/ etwas Gutes tut, hilft man sich automatisch auch selbst/ tut sich selbst etwas Gutes. Den Brief habe ich kopiert, fotografiert und an zwei Stellen in der Einrichtung aufgehangen.












Ärztl. Bereit.: 31 00 31











