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Vergangenen Samstag, den 12. Mai hat die Lange Buchnacht
das 14. Jahr infolge im Berliner Bezirksteil Kreuzberg stattgefunden. Die legendär-szenige Oranienstr, auch mitunter auch als Kudamm von Kreuzberg betitelt, wandelte sich ab 14 Uhr zur Lyrik-Meile. Doch auch über die O-Str hinaus hatten Gastgeber zum Vorlesen und Zuhören geladen. So hatte auch das etwas vom literarischen Epizentrum abgelegene "Zentrum für Gesundheit und Kultur gegen Ausgrenzung und Armut" in der Gitschiner Straße 15
eingeladen, und zwar LARS mit "Wie es ist", Erik Steffen mit Nachrufen über Kreuzberger am gesellschaftlichen Rand, Matt Grau
mit "Von jetzt gibt es Widerstand", Roya Golab mit "Poesie" und die Öffentlichkeit als Zuhörer_innen oder auch Spontan-Vorleser_innen. Denn im Anschluss an die termingebundenen Autor_innenen hatte die g15 eine offene Lesebühne auf dem Programm. Somit sollte den kreativen Gästen ebenfalls die Möglichkeit zur Verfügung stehen, ihre Werke zu präsentieren.
Das Kulturzentrum für Arme als Veranstaltungsort habe ich mir als Besucherin der Langen Buchnacht ausgewählt, weil es eines der Obdachlosenhilfe-Projekte der evang. Heilig-Kreuz-Passions-Gemeinde
ist, das ich bis dahin noch nicht von innen gesehen hatte. Anstatt einfach dort 'reinzuplatzen oder mich irgendwie versuchen anzukündigen, sah ich die öffentliche Veranstaltung als willkommene Möglichkeit für ein erstes Beschnuppern des Hauses an, zumal ich seit meiner Kindheit Leseratte und Schreiberlein bin.
Der Hochbahntrasse der berühmten U-Bahn - Linie 1 entlang lief ich durch die stark verkehrsfrequentierte Gitschiner Str, bis zum gelben Backsteinbau im maurischen Stil mit der Nr. 15. Als ich die schöne Einfahrt der ehemaligen Kerzen- u. Wachswarenfabrik durchquert hatte, befand ich mich in einem ruhigen, kleinen, idyllisch-begrünten Hinterhof. Bis zum Auftakt der Veranstaltung war noch etwas Zeit, so dass ich auf einem der bequemen Gartenstühle Platz nahm und erste Eindrücke auf mich wirken ließ. Vogelgesang, Spatzen tranken am Wassernapf, eine Blaumeise flog Grashalme ins Vogelhäuschen ein, Menschen in verrückt-bunten Outfits wuselten, Andere saßen bei lockeren Gesprächen an den kleinen Gartentischen beisammen und ein sehr gutaussehender Mann von ca 2m, traumhaft schlanker Line, mit Pianistenhände setzte sich zu mir. Vielleicht ein interessanter Schriftsteller oder jmd von den Medien überlegte ich, bis er einen seiner Pianisten-Finger in die Erde des Blumentopfes auf unserem Tisch steckte.
Das Literatur-Live-Event fand im Parterre gelegenen Café der g15 statt, dessen linke Seite gegenüber vom Tresen bestuhlt war. Gegenüber vom Eingang, links von den Stuhlreihen war das Vorlese-Pult aufgebaut. Links daneben und ebenfalls links von den Zuhörer_innensitzplätzen stand ein Tisch mit kleinem Knabber-Buffet. Die Veranstaltung wurde von der Mitarbeiterin für Öffentlichkeitsarbeit im Bereich Obdachlosenhilfe der HKP-Gemeinde Christiane Pförtner eröffnet, die sich im Namen des Zentrums dankbar zeigte, erstmals an der Langen Buchnacht teilnehmen zu dürfen. Sie stellte die Einrichtung kurz vor und lud uns alle ein, wochentags wieder zukommen, warb um vorurteilsfreie Gemeinsamkeit, machte auf fehlende öffentliche Förderung des Hauses aufmerksam, warb um potentielle Spender_innen und verteilte den aktuellen Flyer der g15Stand Mai 2012.


Als erstes hörten wir von LARS die Kurzgeschichten "Wie es ist", "Der Fisch" und "Oase". Der darauf folgende Erik Steffen war für mich der Star des Nachmittags. Steffen schreibt mit Herz und Seele für und über Menschen, die im gesellschaftlichen Abseits leben. Seine Nachrufe werden im Tagesspiegel, der zweitbesten Berliner Tageszeitung - jdfls meiner Meinung nach, gedruckt - leider nur in gekürzter und zensierter Fassung. Uns begeisterte er mit einigen seiner Nachrufe in Originalfassung. Obwohl er ein wirklich brillanter Autor ist, wirkt er bescheiden und sogar etwas schüchtern. Ich denke mit seinem Einfühlungsvermögen gibt er den, von ihm beschriebenen Menschen noch ein Stück Würde zurück, obwohl sie nicht mehr unter den Lebenden weilen und er gibt den noch lebenden Aussenseitern mit seiner Art etwas Kraft und Halt. Danach erlebten wir eine Stunde mit Matt Grau, der singender- und vorlesenderweise mannigfaltige Gesellschaftskritik auf teilweise höchstironische bis zynische Art und Weise anbrachte. Den Abschluss des Terminprogramms bildete die Poetin Roya Golab. Auf der offene Lesebühne machte Meinhard Schröder mit einigen Kurzgeschichten den Anfang.
An und über den RBB!!!
Vor dem Auftritt von Erik Steffen erschien Anni Dunkelmann
& Kamerateam von unserem Regionalsender rbb
. Dunkelmann sprach kurz mit Steffen, bevor er seinen ersten Nachruf vorlas, wobei er noch die ersten Minuten gefilmt wurde. Später sah ich mir gespannt die Abendschau an und dort wurden wir Zuschauer mit dem Beitrag über die Lange Buchnacht bis zu den Spätnachrichten "rbbAKTUELL" vertröstet. Etwas enttäuscht dachte ich mir, es könnte auch daran liegen, dass die lange Buchnacht um 19:30 Uhr noch läuft, andererseits läuft der 01. Mai auch noch um 19:30 und da wird berichtet, was das Zeug hält. Ganze 2 Minuten und 27 Sekunden widmete das rbb-Fernsehen der Langen Buchnacht. Lange Nacht, kurzer Beitrag - ganz toll!!! Die Aufzeichnungen aus der Gitschiner wurden gar nicht in die Sendung aufgenommen. Das finde ich schade, denn die Einrichtung hätte die PR vermutlich gut gebrauchen können, weil sie nicht mit öffentlichen Fördergeldern bedacht wird. Deutlicher ausgedrückt finde ich es nicht nur schade, sondern ärgerlich, wei eine andere Sozialfirma sehr oft und in allen nur erdenklichen Formaten vom rbb gefördert wird. Nun mag man mir ein infantiles Gerechtigkeitsempfinden vorwerfen, doch jedeR die/ der sich mit dem aktuellen Sozialwesen nur ein wenig beschäftigt hat, weiss von der Konkurrenz zwischen den Sozialfirmen. Uns allen bekannt sein sollte, welche Macht die Medien in unserer Gesellschaft haben. Ein Spendenaufruf im TV und die betreffende Einrichtung wird mit Spenden förmlich zugeschüttet, ein Beitrag in "gleich nebenan" und der vorgestellte und somit indirekt beworbene Laden brummt. ... Insofern würde ich es schön finden, wenn alle sozialen Einrichtungen mal dran kommen. Auch wenn sie untereinander in Konkurrenz stehen. Auch wenn nicht jeder ein intimes Verhältnis "zum Journalismus" pflegen kann oder will!
Die Literaturveranstaltung fand für mich zwischen Schröders zweiten und dritten Kurzgeschichte ihr Ende, weil ich einfach nicht mehr sitzen konnte. So ging ich in Ermangelung von Sitzfleisch und Kissen mit dem Gefühl, noch viel zu verpassen. Andere Orte hätte ich mir auch gerne angesehen, aber leider kann man nicht überall gleichzeitig sein. Insofern freue ich mich umso mehr auf die nächste Lange Buchnacht.
Die Gitschiner 15 machte auf mich einen sehr freundlichen und lebhaften Eindruck. Ich habe viele Bedürftige gesehen, die sich dort sichtlich wohl und zugehörig fühlen. In meinen Augen wirken die Gäste dort selbstbewusster als ich es aus anderen Einrichtungen kenne. Die Obdachlosen sind in die Gästeschaft integriert, womit ich sagen möchte, dass sie nicht zwischen den anderen Gästen auffallen oder in ihrem Charakteristikum als Draussenmensch zu erkennen waren. Könnte auch sein, dass keine Obdachlosen anwesend waren. Bekannte Gesichter aus anderen Einrichtungen habe ich auch nicht getroffen. Alles in allem war mir die g15 jdfls so sympathisch, dass ich gleich ein paar Tage später wieder hingegangen bin und dies auch bald wiederholen werde.
das 14. Jahr infolge im Berliner Bezirksteil Kreuzberg stattgefunden. Die legendär-szenige Oranienstr, auch mitunter auch als Kudamm von Kreuzberg betitelt, wandelte sich ab 14 Uhr zur Lyrik-Meile. Doch auch über die O-Str hinaus hatten Gastgeber zum Vorlesen und Zuhören geladen. So hatte auch das etwas vom literarischen Epizentrum abgelegene "Zentrum für Gesundheit und Kultur gegen Ausgrenzung und Armut" in der Gitschiner Straße 15
eingeladen, und zwar LARS mit "Wie es ist", Erik Steffen mit Nachrufen über Kreuzberger am gesellschaftlichen Rand, Matt Grau
mit "Von jetzt gibt es Widerstand", Roya Golab mit "Poesie" und die Öffentlichkeit als Zuhörer_innen oder auch Spontan-Vorleser_innen. Denn im Anschluss an die termingebundenen Autor_innenen hatte die g15 eine offene Lesebühne auf dem Programm. Somit sollte den kreativen Gästen ebenfalls die Möglichkeit zur Verfügung stehen, ihre Werke zu präsentieren.Das Kulturzentrum für Arme als Veranstaltungsort habe ich mir als Besucherin der Langen Buchnacht ausgewählt, weil es eines der Obdachlosenhilfe-Projekte der evang. Heilig-Kreuz-Passions-Gemeinde
ist, das ich bis dahin noch nicht von innen gesehen hatte. Anstatt einfach dort 'reinzuplatzen oder mich irgendwie versuchen anzukündigen, sah ich die öffentliche Veranstaltung als willkommene Möglichkeit für ein erstes Beschnuppern des Hauses an, zumal ich seit meiner Kindheit Leseratte und Schreiberlein bin.Der Hochbahntrasse der berühmten U-Bahn - Linie 1 entlang lief ich durch die stark verkehrsfrequentierte Gitschiner Str, bis zum gelben Backsteinbau im maurischen Stil mit der Nr. 15. Als ich die schöne Einfahrt der ehemaligen Kerzen- u. Wachswarenfabrik durchquert hatte, befand ich mich in einem ruhigen, kleinen, idyllisch-begrünten Hinterhof. Bis zum Auftakt der Veranstaltung war noch etwas Zeit, so dass ich auf einem der bequemen Gartenstühle Platz nahm und erste Eindrücke auf mich wirken ließ. Vogelgesang, Spatzen tranken am Wassernapf, eine Blaumeise flog Grashalme ins Vogelhäuschen ein, Menschen in verrückt-bunten Outfits wuselten, Andere saßen bei lockeren Gesprächen an den kleinen Gartentischen beisammen und ein sehr gutaussehender Mann von ca 2m, traumhaft schlanker Line, mit Pianistenhände setzte sich zu mir. Vielleicht ein interessanter Schriftsteller oder jmd von den Medien überlegte ich, bis er einen seiner Pianisten-Finger in die Erde des Blumentopfes auf unserem Tisch steckte.
Das Literatur-Live-Event fand im Parterre gelegenen Café der g15 statt, dessen linke Seite gegenüber vom Tresen bestuhlt war. Gegenüber vom Eingang, links von den Stuhlreihen war das Vorlese-Pult aufgebaut. Links daneben und ebenfalls links von den Zuhörer_innensitzplätzen stand ein Tisch mit kleinem Knabber-Buffet. Die Veranstaltung wurde von der Mitarbeiterin für Öffentlichkeitsarbeit im Bereich Obdachlosenhilfe der HKP-Gemeinde Christiane Pförtner eröffnet, die sich im Namen des Zentrums dankbar zeigte, erstmals an der Langen Buchnacht teilnehmen zu dürfen. Sie stellte die Einrichtung kurz vor und lud uns alle ein, wochentags wieder zukommen, warb um vorurteilsfreie Gemeinsamkeit, machte auf fehlende öffentliche Förderung des Hauses aufmerksam, warb um potentielle Spender_innen und verteilte den aktuellen Flyer der g15Stand Mai 2012.
Als erstes hörten wir von LARS die Kurzgeschichten "Wie es ist", "Der Fisch" und "Oase". Der darauf folgende Erik Steffen war für mich der Star des Nachmittags. Steffen schreibt mit Herz und Seele für und über Menschen, die im gesellschaftlichen Abseits leben. Seine Nachrufe werden im Tagesspiegel, der zweitbesten Berliner Tageszeitung - jdfls meiner Meinung nach, gedruckt - leider nur in gekürzter und zensierter Fassung. Uns begeisterte er mit einigen seiner Nachrufe in Originalfassung. Obwohl er ein wirklich brillanter Autor ist, wirkt er bescheiden und sogar etwas schüchtern. Ich denke mit seinem Einfühlungsvermögen gibt er den, von ihm beschriebenen Menschen noch ein Stück Würde zurück, obwohl sie nicht mehr unter den Lebenden weilen und er gibt den noch lebenden Aussenseitern mit seiner Art etwas Kraft und Halt. Danach erlebten wir eine Stunde mit Matt Grau, der singender- und vorlesenderweise mannigfaltige Gesellschaftskritik auf teilweise höchstironische bis zynische Art und Weise anbrachte. Den Abschluss des Terminprogramms bildete die Poetin Roya Golab. Auf der offene Lesebühne machte Meinhard Schröder mit einigen Kurzgeschichten den Anfang. An und über den RBB!!!
Vor dem Auftritt von Erik Steffen erschien Anni Dunkelmann
& Kamerateam von unserem Regionalsender rbb
. Dunkelmann sprach kurz mit Steffen, bevor er seinen ersten Nachruf vorlas, wobei er noch die ersten Minuten gefilmt wurde. Später sah ich mir gespannt die Abendschau an und dort wurden wir Zuschauer mit dem Beitrag über die Lange Buchnacht bis zu den Spätnachrichten "rbbAKTUELL" vertröstet. Etwas enttäuscht dachte ich mir, es könnte auch daran liegen, dass die lange Buchnacht um 19:30 Uhr noch läuft, andererseits läuft der 01. Mai auch noch um 19:30 und da wird berichtet, was das Zeug hält. Ganze 2 Minuten und 27 Sekunden widmete das rbb-Fernsehen der Langen Buchnacht. Lange Nacht, kurzer Beitrag - ganz toll!!! Die Aufzeichnungen aus der Gitschiner wurden gar nicht in die Sendung aufgenommen. Das finde ich schade, denn die Einrichtung hätte die PR vermutlich gut gebrauchen können, weil sie nicht mit öffentlichen Fördergeldern bedacht wird. Deutlicher ausgedrückt finde ich es nicht nur schade, sondern ärgerlich, wei eine andere Sozialfirma sehr oft und in allen nur erdenklichen Formaten vom rbb gefördert wird. Nun mag man mir ein infantiles Gerechtigkeitsempfinden vorwerfen, doch jedeR die/ der sich mit dem aktuellen Sozialwesen nur ein wenig beschäftigt hat, weiss von der Konkurrenz zwischen den Sozialfirmen. Uns allen bekannt sein sollte, welche Macht die Medien in unserer Gesellschaft haben. Ein Spendenaufruf im TV und die betreffende Einrichtung wird mit Spenden förmlich zugeschüttet, ein Beitrag in "gleich nebenan" und der vorgestellte und somit indirekt beworbene Laden brummt. ... Insofern würde ich es schön finden, wenn alle sozialen Einrichtungen mal dran kommen. Auch wenn sie untereinander in Konkurrenz stehen. Auch wenn nicht jeder ein intimes Verhältnis "zum Journalismus" pflegen kann oder will!Die Gitschiner 15 machte auf mich einen sehr freundlichen und lebhaften Eindruck. Ich habe viele Bedürftige gesehen, die sich dort sichtlich wohl und zugehörig fühlen. In meinen Augen wirken die Gäste dort selbstbewusster als ich es aus anderen Einrichtungen kenne. Die Obdachlosen sind in die Gästeschaft integriert, womit ich sagen möchte, dass sie nicht zwischen den anderen Gästen auffallen oder in ihrem Charakteristikum als Draussenmensch zu erkennen waren. Könnte auch sein, dass keine Obdachlosen anwesend waren. Bekannte Gesichter aus anderen Einrichtungen habe ich auch nicht getroffen. Alles in allem war mir die g15 jdfls so sympathisch, dass ich gleich ein paar Tage später wieder hingegangen bin und dies auch bald wiederholen werde.
Meine Fotos
sind mit Kommentaren meiner Besucher_innen und Stammleser_innen und hier als Galerie von Werbung gestört zu sehen.Mein erstes Video auf Youtube: Matt Grau: Sklaventreiber












Ärztl. Bereit.: 31 00 31










